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Als Team gegen Missbrauch stehen

Katholische Fachstelle für Jugendarbeit Taunus macht Prävention stark
Als Team gegen Missbrauch stehen
Als Team gegen Missbrauch stehen
Der Verhaltenskodex ist das Herzstück des ISK. Christian Trenk, Lena Böhlert, Juliane Heßel, Nicole Metzler, Daniel Dere (v.l.n.r) © JOCHEN REICHWEIN

„Dranbleiben und weitermachen“ lautet die Devise: Die Katholische Fachstelle für Jugendarbeit Taunus (KFJ) hat ein institutionelles Schutzkonzept (ISK) erarbeitet und will das Thema „Prävention “ auch in Zukunft stark machen. „Wir stehen als Team gegen Missbrauch“, betonte Einrichtungsleiter Daniel Dere bei einer Präsentation des Konzeptes vor Medienvertretern. Er unterstrich dabei die Notwendigkeit, „sprachfähig“ zu werden und die Kultur des Schweigens und Wegschauens zu durchbrechen. Das Erreichte werde als Ermutigung verstanden, erklärte Jugendbildungsreferentin Lena Böhlert, die die besondere Bedeutung der Partizipation bei der Konzepterstellung hervorhob.

Breit angelegter Prozess

„Je breiter der Prozess angelegt ist, desto größer wird die Chance, dass das ISK im Idealfall von allen mitgetragen wird“, sagte sie. Außerdem entstehe durch die Beteiligung eine größere Nähe zur Zielgruppe. Die Diplompädagogin hat die interne ISK-Projektgruppe geleitet, der mit Juliane Heßel, Nicole Metzler und Christian Trenk auch drei Ehrenamtliche aus dem Jugendbildungsteam angehörten. Der Auftrag, ein solches Schutzkonzept für die jeweilige Institution zu entwickeln, ist von der Präventionsstelle des Bistums 2018 an alle Pfarreien, Einrichtungen und Verbände ergangen. Der Schutz von Kindern und Jugendlichen und ein offener, transparenter Umgang mit dem Thema stünden im Vordergrund, sagte Nicole Metzler. Es gehe aber auch um eine „Kirche zum Wohlfühlen“. Was am Anfang vielleicht nur eine „Pflicht“ gewesen sei, habe sich im Laufe des Prozesses gewandelt hin zu einer Haltung und einer neuen Wahrnehmung, unterstrich Juliane Heßel.

Sichere Räume ermöglichen

„Herzstück“ des Konzeptes ist nach den Worten aller Beteiligten der Verhaltenskodex, in dem diese Haltung zum Ausdruck komme. Bewusst hinsehen, wahrnehmen, sich auseinandersetzen und handeln lauten die Schlagworte, die gemeinsam immer weiter realisiert werden sollen: „Das schafft die Basis, die es braucht, um sichere Räume für junge Menschen zu ermöglichen und eine Kultur der Achtsamkeit zu leben“, heißt es dort. Konkrete Auswirkungen sind bereits sichtbar, zum Beispiel in einem Rückmeldebutton auf der Homepage. Auf Veranstaltungen gibt es eine - inwzischen gut genutzte - Feedbackbox und im Anschluss bietet ein Reflexions- und Beobachtungsbogen Möglichkeiten, Rückmeldungen transparent aufzunehmen.

Bewusstsein für Grenzüberschreitungen

Der Prozess sensibilisiere für Grenzüberschreitungen, auch jenseits von strafbarem Verhalten und sexuellem Missbrauch, sagte Christian Trenk. „Wo Grenzen nicht gesehen, nicht beachtet und überschritten werden, ist das ein Einfallstor für Missbrauch“, ist auch Daniel Dere überzeugt, der zugleich zu einer nüchternen Einschätzung eines solchen  Schutzkonzeptes aufforderte: „Das ISK alleine verhindert keinen Missbrauch.“ Wenn aber das Selbstbewusstsein der Teilnehmer dahingehend gestärkt werde, dass sie jederzeit "Stopp" sagen könnten und gehört würden, „wird es für potentielle Täter schwieriger, Opfer zu finden.“ In jedem Fall sei eine Kommunikation darüber vonnöten, "was unser Selbstverständnis ist". Dazu gehöre auch die Bereitschaft, alle pädagogischen Maßnahmen offen zu hinterfragen.

Weitere Informationen: https://kfj-taunus.bistumlimburg.de, https://praevention.bistumlimburg.de.