Kategorien &
Plattformen

Die Erzdiözese Trient, deren Caritas und das Trentino

Die Erzdiözese Trient, deren Caritas und das Trentino
Die Erzdiözese Trient, deren Caritas und das Trentino
© Lorenza Liandru

Die Erzdiözese Trento (Trient) ist räumlich mit der Autonomen Provinz Trentino identisch. Sie bildet mit der ihr unterstellten Diözese Bozen-Brixen in Südtirol die Kirchenprovinz Trento.

Der Legende nach ist Trient schon seit dem 1. Jahrhundert Bischofssitz. Erster nachweisbarer Bischof war Mitte des 4. Jahrhunderts Bischof Jovinus. Entscheidender war aber das Wirken Bischof Vigilius' (gestorben 405), dem heutigen Patron der Erzdiözese, mit seinen Missionaren.

Trient wurde zwischen 1545 und 1548 zum Tagungsort eines über Jahrhunderte maßgeblichen Reformkonzils, auf dem die katholische Kirche eine Auseinandersetzung mit dem Protestantismus suchte. Dies führte zu einer Selbstrefelxion, die in ihrer strengen Abgrenzung zum Protestantismus auch zu einem sich verhärtenden Konfessionalsmus beitrug. Zugleich wurden innerkirchliche Reformdekrete verabschiedet, welche in Folge einer Neuausrichtung der Ausbildung der eigenen Mitarbeiter zu einer Verbesserung von Seelsorge führte. Wenn vielleicht auch weniger durch Dekrete und Konkretes, so entwickelte das Konzil in seinem nachgang doch zumindest durch die herrschende Atmosphäre einer Reformmentalität und prägender Einzelpersonen jener Zeit einen "Antriebsimpuls zu einer inneren Erneuerung der Kirche".

Bischofskirche ist der 1145 geweihte Dom St. Vigilius in Trient.

Der Anteil von Katholiken an der Wohnbevölkerung der Provinz Trient lag Ende 2014 bei 91,6% (lt. Wikipedia).

Im Trentino leben 541.098 Einwohner (Schätzung 01.2019) auf 6.207 km² mit einer Dichte von 87,18 Einwohnern/km². Zum Vergleich: Im Main-Taunus-Kreis leben 237.735 Einwohner (12.2018) auf 222 km² mit einer Dichte von 1.065 Einwohnern/km². Trentino: Statistikdaten - Bevölkerung - Fläche

Zur geographischen Lage (Wikipedia):

  • Das Trentino liegt im mittleren Nordosten Italiens und bildet von der Salurner Klause im Norden bis ca. 15 km vor die Veroneser Klause im Süden einen Teil der Brennerachse. Im Norden grenzt es an Südtirol, im Osten, Südosten und Süden an die venetischen Provinzen Belluno, Vicenza und Verona, sowie im Westen und äußersten Nordwesten an die lombardischen Provinzen Brescia und Sondrio.
  • Westlich von Rovereto hat das Trentino Zugang zum Nordufer des Gardasees, den es sich mit den Provinzen Verona und Brescia teilt. Darüber hinaus hat es Anteil am Welterbe Dolomiten, deren Brenta-Gruppe im Westen der Provinz vollständig im Trentino liegt, während die Rosengartengruppe, der Latemar, die Marmolata und die Palagruppe im Nordosten teilweise zum Trentino gehören.

Zum Landschaftsbild (Wikipedia):

  • Weite Teile des Trentino werden von einer bewaldeten Gebirgslandschaft eingenommen, wobei die Gipfel – mit Ausnahme im Süden des Landes – in der Regel jenseits der Baumgrenze liegen. Die Hochebenen hingegen werden als ausgedehnte Weideflächen für Almwirtschaften genutzt. Zudem gibt es im Trentino etliche Seen eiszeitlichen Ursprungs, die über die gesamte Provinz verstreut in verschiedenste Lagen eingebettet sind. Annähernd 300 sind es an der Zahl – ca. 10 % aller Seen des gesamten Alpenraums – mit insgesamt ca. 35 km² Wasserfläche.

Als Corona-Krisengebiet:

  • Trentino liegt es im sog. Epizentrum der Corona-Pandemie in Italien. Die Menschen dort sind extrem belastet durch das Wegbrechen ihres Einkommens und das Zugrundegehen ihrer beruflichen Existenzen, oftmals haben Menschen einfach nicht genug zu essen. Angehörige wissen manchmal nicht einmal, in welchen Krankenhäuser ihre Erkrankten liegen, können Sie nicht besuchen, können im Falle des Todes weder an Beisetzungen teilnehmen, noch anschließend auf den Friedhof gehen. Auch die seelsorgliche Begleitung Sterbender und Trauernder kann nicht wie gewohnt erfolgen. Eine Traumatisierung von Teilen der Bevölkerung im Nachgang zu hohen Letalitätsraten droht.
  • Trentino: Covid-19_Entwicklung
  • Wir sind in der einen Welt eingeschlafen und in einer anderen wieder aufgewacht: Umarmungen und Küsse werden plötzlich zu Waffen, und der Verzicht auf den Besuch bei Eltern und Freunden wird zu einem Akt der Liebe. Plötzlich wird einem klar, dass Macht, Schönheit und Geld keinen Wert haben und dass es [das Geld] dir den Sauerstoff nicht geben kann, für den du gerade kämpfst. Die Welt geht weiter, und sie ist wunderschön. Sie zwingt nur die Menschen in Käfige. Ich denke, dass uns da eine Botschaft gesandt wird: „Du Mensch bist nicht notwendig. Der Luft, der Erde, dem Wasser und dem Himmel geht es gut ohne dich. Wenn ihr zurückkehrt, merkt euch, dass ihr meine Gäste seid. Nicht meine Eigentümer".
  • Hier arbeitet man aktuell eine Menge, vor allem am Telefon: Die Menschen rufen an, um Informationen über die Hilfsangebote zu erhalten, um Unterstützung anzubieten oder sie kurzfristig zu erhalten….Es rufen viele Personen an, die psychische Probleme haben: Sie sind verzweifelt und verwirrt, weil sie sich plötzlich ohne dieses Minimum an Kontakt wiederfinden, der ihren Alltag „gefüllt“ hat, wie einen Kaffee trinken zu gehen, auf der Parkbank ein Schwätzchen zu halten, spazieren zu gehen…. Manche ähneln den Löwen im Käfig, andere fühlen sich verlassen… Für sie alle ist ihr Anruf bei uns, dass sie Hunger haben, dass sie kein Geld haben, dass sie es nicht schaffen, diese Zeit durchzustehen, wie die letzte verbleibende Möglichkeit, aufzuschreien, dass es sie noch gibt, dass sie existieren und dass sie nicht alleingelassen werden wollen. – Deshalb ist unser Lebensmittelpaket in diesen absurden Zeiten für Viele eine wichtige Weise, ihnen zu sagen: #ichbineuchnahe.
  • Das Telefon ist gerade extrem wichtig. Es dient dazu, Anrufe zu erhalten, aber auch welche selbst zu tätigen: Es gibt einem die Gelegenheit, jemanden zu grüßen, zu sagen „wenn du etwas brauchst dann melde dich“, und auch, um sich selbst sagen zu hören: „Es war schön dich zu hören.“ Wir nutzen das Telefon nicht zuletzt, um die Freiwilligen anzurufen, die plötzlich zu Hause eingeschlossen sind, besonders jene, die alleine leben, die älter sind, die Angst haben, – denn sie werden uns alle daran erkennen, wie sehr wir uns gegenseitig lieben können…
  • Da sind die Versorgungsunternehmen zu bezahlen, Häuser müssen von der Zwangsräumung gerettet werden für Menschen, die schon vorher schwach und gefährdet waren und es jetzt noch mehr sind.
  • Die „Zentren des Zuhörens und der Solidarität“ gibt es, sie sind für alle da, die Hilfe suchen. Sie sind getragen von der Einsatzbereitschaft und Ernsthaftigkeit unserer Mitarbeiter. Diese Haltung sorgt wie ein Turbo dafür, dass wir uns ständig im Netz der öffentlichen und privaten Dienstleister wiederfinden und dort eng zusammenarbeiten.
  • Ausgehungert und auf der ständigen Suche nach dem Sinn der Dinge und des Lebens waren wir so lange schon. In diesen Tagen empfinde ich, dass jede Geste, jeder Satz, jeder Gedanke von dem Sinn des Lebens absolut erfüllt ist…

Sehr geehrter Herr Dr. Matthias Braunwarth

liebe Freunde  der Pastoralgemeinschaft

 

Im Namen des gesamten Teams der Diözesan-Caritas darf ich Ihnen in diesen zwar von Auferstehung geprägten österlichen Tagen, die jedoch auch mit großer Anstrengung durchlebt werden, von Herzen für die wichtigen Spenden danken, die Sie uns für unsere Aufnahmestätten und Orte von Solidarität gespendet haben.

 

Wir alle erleben sehr schwierige und heikle Momente, besonders für jene, die sich um die Alleinstehenden mühen, und für viele Familien. Dennoch ist ebenso wichtig zu betonen, dass wir in diesem Augenblick das authentischste Gesicht von Solidarität sehen, das uns viel mehr zeigt, als wir erwartet haben!

 

Ihr Engagement für uns und unsere Arbeit ist bei unseren Mitarbeiten und Freiwilligen, aber auch bei den Betroffenen Gästen auf großes Interesse gestoßen. Denn es zeigt einmal mehr, wie notwendig die Zusammenarbeit ist, um das Ziel zu erreichen, das uns als Caritas stets vor Augen steht: Unterstützung, kontinuierliche Nähe und Begleitung jener, die am meisten zu kämpfen haben, die Erfahrungen von Zerbrechlichkeit machen, die noch immer mit extremen Herausforderungen leben, um ihren Arbeitsplatz bangen und unter der erzwungenen Einsamkeit und dem Mangel an Beziehungen leiden.

 

Wir danken Ihnen auch für den exemplarischen und pastoralen Aspekt dieser Aktion: die Beziehung, die zwischen unseren lokalen Gemeinschaften, zwischen unserer Caritas und Ihrer pastoralen Wirklichkeit geknüpft ist, zeigt die vornehmliche Aufgabe, stärkere und intensivere Kontakte aufzubauen, die in der Lage sind, die schwächsten Teile unserer Gesellschaft in den Blick zu nehmen. Und deshalb gilt unser Dank auch und vor allem für die Bereitschaft, sich an einer sozialen Gemeinschaftsaktion zu beteiligen, die über Grenzen, Sprachen und Territorien hinausgeht. Darin besteht der Sinn unserer Beziehung, die damit vielleicht einen Beitrag für eine Vision von Europa leistet: ein Europa, das durch viele Netzwerke von Solidarität fruchtbar wird, jedoch aktuell noch weniger reich an Hoffnung und gemeinsamen Perspektiven ist.

 

Wir möchten, dass diese unsere Gemeinschaftsbeziehung als Gelegenheit und Grund zu wahrer brüderlicher Freundschaft fortbesteht und dass auch wir die Gelegenheit erhalten, all das, was Sie für uns tun, zu erwidern!

Noch einmalübermittle ich Ihnen mit großer Dankbarkeit meine aufrichtigen Grüße. Damit verbinde ich den Wunsch, dass unsere Verbundenheit die Voraussetzungen für ein gutes Zusammenleben schafft und dadurch die Werte wiederentdeckt werden, die wir vielleicht nicht immer pflegen konnten.

Ich bitte Sie, alle Frauen und Männer, die sich für uns in dieser Zeit einsetzen, herzlichst zu grüßen.

 

Sie bleiben uns unvergessen, und wir versprechen Ihnen und Gedenken im Gebet.

Am kommenden Donnerstag, dem 14. Mai, werden wir dies auf besondere Weise tun: Anlässlich eines Gedenkmoments an die Opfer der Pandemie und an all die Menschen, die uns beim Wiederaufbau des menschlichen und sozialen Gefüges helfen.

 

In aufrichtiger geschwisterlichen Freundschaft

 

[Deutsch: Bischofsvikar Dr. Christof May]