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Ehrenamtlich aktiv für Prävention

Katholische Fachstelle für Jugendarbeit Taunus erarbeitet Verhaltenskodex
Ehrenamtlich aktiv für Prävention
Ehrenamtlich aktiv für Prävention
Engagierter Einsatz für Prävention: Lena Böhlert, Christian Trenk, Juliane Heßel, Nadine Bahr, Nicole Metzler (v.l.n.r.) © Reichwein/Bistum Limburg

Gemeinsames Engagement von Haupt- und Ehrenamtlichen für Prävention: Für die Projektgruppe, die in der Katholischen Fachstelle für Jugendarbeit Taunus (KFJ) seit knapp einem Jahr an einem institutionellen Schutzkonzept (ISK) arbeitet, gehört das zum Konzept. "Das ist der einzig sinnvolle Weg", ist Lena Böhlert überzeugt. Die Jugendbildungsreferentin hat seit Februar vergangenen Jahres in rund 20 Sitzungen mit den beiden Studentinnen Juliane Heßel (24) und Nicole Metzler (25) sowie dem Theologen Christian Trenk (27) für den Verhaltenskodex die Ergebnisse einer Risiko- und Schutzfaktorenanalyse und eines breit angelegten Workshops gebündelt und in Form gebracht. Die drei sind Ehrenamtliche aus dem rund 18-köpfigen Jugendbildungsteam, das die Hauptamtlichen in der Arbeit auf vielfältige Weise entlastet. Im September ist als fünfte im Bunde die Studentin Nadine Bahr (24) hinzugestoßen, die aktuell ein Praktikum in der Fachstelle absolviert.

Prävention geht uns alle an

„Wir brauchen die Perspektiven unserer Zielgruppe, da sind die jüngeren Leute einfach näher dran“, beschreibt Böhlert ein damit verbundenes konkretes Anliegen. Sie ist sich überdies sicher, dass "Ehrenamtsbeteiligung Arbeitsfelder und die Arbeitskultur im guten Sinne verändert". Es gehe schließlich nicht um ein Papier für die Schublade, so ihr Leitsatz in diesem Zusammenhang, sondern darum, eine bestimmte Haltung einzunehmen. Alle Beteiligten seien gleichermaßen gefragt, diese Einstellung nach drinnen und draußen zu transportieren. „Eigentlich gehört das, was wir hier machen,  auch zur Kirchenentwicklung“, meint Christian Trenk. Deutlich widerspricht er der mancherorts geäußerten Vorstellung, Ehrenamtliche könnten mit dem Thema Prävention überfordert sein. „Sichere Räume und ein Klima schaffen, in dem sich Kinder und Jugendliche angstfrei entfalten können“ ist in seinen Augen eine Kernaufgabe von Kirche. "Das geht uns alle an." Er habe auch die 15- und 16-jährigen Teilnehmer der Präventionsschulungen der Fachstelle in keinem Fall als überfordert erlebt.

Über ein Tabuthema offen sprechen

„Es wird nichts besser, wenn man es totschweigt“, ist die Erfahrung von Juliane Heßel. In den Köpfen der Leute ändere sich doch nur dann etwas, wenn man offen darüber spreche, gerade über das Tabuthema „sexualisierte Gewalt“. Dass die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema auch persönlich zu einem anderen, aufmerksameren Blick auf die Umwelt führt, wird von allen Mitwirkenden angemerkt. So ist Nicole Metzler unter anderem mit Erstaunen bewusst geworden, dass das Thema in ihrem Sportverein überhaupt nicht benannt werde. Statt bloß über Kirche zu schimpfen oder gar über Austritt nachzudenken, habe sie hier die Möglichkeit, mitzugestalten, beschreibt sie einen Grund für die viele Arbeitsstunden umfassende Beteiligung. Von außen gebe es auch von Gleichaltrigen positive Rückmeldungen dazu, berichtet sie: „Die Leute sind interessiert, finden es cool, dass sich etwas ändert, dass es voran geht.“

Vier neue geschulte Mitarbeiter

„Dass wir gerade als kirchliche Einrichtung versuchen, eine Vorreiterrolle zu spielen in Sachen Prävention“ ist für Christian Trenk ein wesentlicher Grund für sein Engagement. Sich als Ehrenamtlicher in diesem Umfeld geschätzt zu fühlen, ist ihm dabei ebenso wichtig wie Veränderungen im persönlichen Verhalten, die er an sich selbst bemerkt: „Ich hoffe, dass ich mich anders verhalte, stelle mich eher mal kritisch in Frage.“  Für die Ehrenamtlichen sei es das Schöne am Prozess, „dass wir nichts Schriftliches abliefern müssen, sondern das Erarbeitete mit Leben füllen dürfen“, sagt er. „Das Thema bleibt, das gehört zu uns und hört nicht mehr auf“: Darin sind sich die Teilnehmer mit Lena Böhlert einig. Die Jugendbildungsreferentin, die die vom Bistum Limburg angebotene Schulung zur Fachkraft Prävention absolviert hat, blickt zuversichtlich auf die kommende Zeit: „Jetzt werden die Ehrenamtlichen eben von Machern zu Beratern: Wir haben vier geschulte Mitstreiter gewonnen, von denen ich viel gelernt habe und von denen wir uns als Fachstelle und in den beiden Bezirken in Zukunft gerne beraten lassen.“

Weitere Informationen auf der Homepage der Fachstelle unter https://kfj-taunus.bistumlimburg.de., über die Angebote und Schulungen rund um Prävention unter  https://praevention.bistumlimburg.de.