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Ein Christ darf kein Antisemit sein

Ein Christ darf kein Antisemit sein
Ein Christ darf kein Antisemit sein
Jüdisch-christlicher Dialog live - Rabbiner Ahrens und Pfarrer Jung © Jochen Reichwein
Ein Gebetsschal, eine Kippa, eine kleine Tora-Rolle sowie die Menora liegen in Altarnähe aus © Jochen Reichwein
Ein Gebetsschal, eine Kippa, eine kleine Tora-Rolle sowie die Menora liegen in Altarnähe aus © Jochen Reichwein
Der Verlobte Tag startet mit einem Festgottesdienst in der St. Gallus-Kirche © Jochen Reichwein
Jüdisch-Christlicher Dialog zum Verlobten Tag © Jochen Reichwein
Flörsheim,Verlobter Tag © Jochen Reichwein
Flörsheim,Verlobter Tag © Jochen Reichwein
Unter dem Baldachin wird die Monstranz mitgeführt © Jochen Reichwein
Ein bewegender Moment in der Synagogengasse: Der Rabbiner spricht das Totengebet - Pfarrer Jung mit Kippa © Jochen Reichwein
Flörsheim,Verlobter Tag © Jochen Reichwein
Flörsheim,Verlobter Tag © Jochen Reichwein
Flörsheim,Verlobter Tag © Jochen Reichwein
Flörsheim,Verlobter Tag © Jochen Reichwein
Stärkung für die tapferen großen und kleinen Messdiener © Jochen Reichwein
An vier Altären, die jeweils von verschiedenen Gruppierungen vorbereitet worden sind, macht die Prozession Halt © Jochen Reichwein
Liebevoll schmücken viele Flörsheimer ihre Fenster zum Verlobten Tag © Jochen Reichwein
Flörsheim,Verlobter Tag © Jochen Reichwein
Flörsheim,Verlobter Tag © Jochen Reichwein

Der 352. Verlobte Tag in Flörsheim hat ein deutliches Signal mit politischer Dimension gesetzt – gegen Antisemitismus, für den jüdisch-christlichen Dialog und die Wertschätzung seitens der christlichen Gemeinde gegenüber dem Judentum. „Ein Christ darf kein Antisemit sein, da er ansonsten seinen eigenen Glauben aufgeben würde“, betonte Pfarrer Sascha Jung im  Glaubensgespräch mit dem in der St. Gallus-Kirche mit herzlichem Applaus begrüßten Darmstädter Rabbiner Jehoschua Ahrens. Mit viel Beifall bekräftigte die Festgemeinde das dabei abgelegte Versprechen des Pfarrers, „dass ich mich persönlich gegen jede Form von Antisemitismus und Formen jüdischer Feindseligkeiten entschieden entgegen stellen werde, und solange ich Pfarrer dieser katholischen Gemeinde bin, auch die Christen dieser Stadt dazu drängen werde, sich dieser Haltung anzuschließen.“

Unter dem Motto „Ihr sollt mir als ein heiliges Volk gehören“ stand der höchste Festtag der Flörsheimer Christen in diesem Jahr im Zeichen der Erinnerung an die Weihe der Synagoge vor 300 Jahren und ihre Zerstörung vor 80 Jahren in der Pogromnacht. „Mit dem heutigen Verlobten Tag rühren wir an einem dunklen Kapitel der Flörsheimer, ja der deutschen und europäischen Geschichte“, verwies Pfarrer Jung auf das menschenverachtende Vorhaben der Nazis, allem jüdischen Leben in Europa ein Ende zu bereiten. Deutliche Worte fand er dabei auch dafür, dass die Trennung von Kirche und Synagoge zu viel Unheil und zu unheiligen Taten geführt haben, „in denen wir als Kirche Schuld auf uns geladen haben.“

Dass für ihn als Jude die Anwesenheit in einer katholischen Kirche durchaus einen  psychologischen Aspekt habe, räumte Rabbiner Ahrens, Beauftrager für den interreligiösen Dialog des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Hessen, ein. Zugleich betonte er mit dem Hinweis auf den monotheistischen Glauben das Gemeinsame und Verbindende. Der Besuch habe ihn demnach keine Überwindung gekostet, meinte er. Auch die Tatsache, dass der christlich-jüdische Dialog streckenweise etwas holprig verläuft, nahm er charmant und humorvoll: „Nach 2000 Jahren Konflikt müssen wir das erst einmal lernen und üben“. 

Ganz still wurde es bei einem berührenden Moment zu Beginn der Prozession, als der Rabbiner an der Synagogengasse auf Hebräisch das Gebet „Ele male Rachamim“ für die gestorbenen jüdischen Mitbürger sprach. Auch an den liebevoll geschmückten vier Altären standen Themen des jüdisch-christlichen Dialogs im Mittelpunkt. Die entsprechenden kirchenmusikalischen Akzente mit - unter anderem - Werken von Mendelssohn-Bartholdy sowie Psalmen und Psalmliedern setzte die Flörsheimer Kantorei mit der Sopranistin Marina Herrmann und Bezirkskantor Manuel Braun unter der Leitung von Diözesankirchenmusikdirektor Andreas Grossmann.