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Ministranten sind Bistumshelden
Ministranten sind Bistumshelden

Ministranten sind Bistumshelden

HOFHEIM/KRIFTEL.- "Dürfen wir nochmal nachholen?" Mit fragenden Blick wartet Jeron vor dem kleinen Eiswagen, der neben dem Gemeindezentrum in Hofheim steht. Wie andere in der Schlange hofft der Junge auf weitere Kugeln Eis. Die Ministranten des Pastoralen Raumes Hofheim-Kriftel hatten sich im Juli bei der Ehrenamtsaktion "Eis für Bistumshelden" der Diözese Limburg beworben und gewonnen. Jetzt gibt es zu einem Jugendevent im Gemeindezentrum bekannte Klassiker wie Vanille, Schokolade und Himbeere oder Exotischeres wie Lasagne, Milchreis-Zimt und Mango. "Das Eis ist so lecker", schwärmt Jeron. Dass es gerade zu regnen begonnen hat, trübt die Stimmung nicht.

Etwa 130 Ministranten gibt es im Pastoralen Raum Hofheim-Kriftel. Woche für Woche sind sie in den drei Pfarrgemeinden bei Gottesdiensten im Einsatz. "Wir freuen uns, dass wir gewonnen haben. Für die Kinder ist es ein schönes Dankeschön für ihren Einsatz", sagt Tim Oswald, Oberministrant des Pastoralen Raumes. Seit seiner Erstkommunion engagiert sich der 23-Jährige als Ministranten in der Pfarrei. Zehn Stunden pro Woche steckt der in Wiesbaden berufstätige Produktportfoliomanager in die Ministrantenarbeit. Schon am Vormittag war Oswald bei einem letzten Ausbildungstreffen mit dem neuen Mini-Nachwuchs in Marxheim. Dass sich ein erfahrener Ministrant um die jüngeren kümmert, sei wichtig. "Die Ausbildung macht großen Spaß. Die Jüngeren brauchen einfach noch etwas Sicherheit", berichtet Oswald.

Zusammenarbeit bringt neuen Schwung

Für Oswald ist die Ministrantenarbeit aber mehr als Spaß. Für ihn geht es auch um Glauben und darum, wie Kirche in Zukunft aussehen könnte. "Wir wollen den Kindern ein positives Bild von Kirche vermitteln." Die Jugendlichen könnten die Pfarrei mitgestalten. "Wir wollen die Kirche wirklich voranbringen", meint Oswald überzeugt. Pfarreigrenzen spielten für die Ministranten keine große Rolle. Seit 2014 treffen sich die Oberministranten aller drei Pfarreien. "Die Großpfarrei kommt. Lasst uns das gemeinsam anpacken.", fasst Oswald die damalige Stimmung zusammen. Jetzt gibt es ein gemeinsames Jahresprogramm und zahlreiche Veranstaltungen für alle Ministranten.

"Wir haben schnell gemerkt, dass wir viele Aktionen alleine gar nicht stemmen können", erklärt auch Alexander Schuster, Oberministrant in Kriftel. Mittlerweile sei eine große Gemeinschaft, in der alle Pfarreien vertreten seien, entstanden. In einzelnen Orten habe die Ministrantenarbeit an Schwung bekommen, findet der 21-jährige Student. "Regelmäßige Gruppenstunden gab es vorher bei uns in Kriftel nicht." In diesem Jahr fand die Mini-Ausbildung in Gruppenstanden statt und es wird auch in Zukunft weitere Aktionen Vorort für die Ministranten geben.

Ministrantenarbeit ist richtige Jugendarbeit

Im Gemeindezentrum in Hofheim duftet es nach Bratwurst. Kinder toben sich auf zwei aufgebauten Riesentrampolinen und einer Hüpfburg aus. Der Lärmpegel ist hoch. Im Raum nebenan werden Gesellschaftsspiele ausgepackt. Einmal im Jahr findet ein solcher Jugendgemeinschaftsevent für alle Kinder im Pastoralen Raum statt. Gemeinsam mit anderen katholischen Jugendverbänden wie den Pfadfindern oder der KJG laden die Ministranten dazu ein. Es ist auch ein Beispiel, was aus der Zusammenarbeit über die Pfarreigrenzen hinweg entstehen kann.

"Es gibt Leute, die behaupten, dass die Ministrantenarbeit keine richtige Jugendarbeit sei. Das widerlegen wir", sagt Kaplan Stefan Salzmann, der für Ministranten zuständig ist. "Und es läuft wirklich gut bei uns." Gruppenstunden, Filmabende im Pfarrheim, gemeinsame Ministranten-Wochenenden oder Tagesfahrten sind einige Angebote, die der Kaplan aufzählt. Natürlich seien die Ministranten auch bei allen Gottesdiensten und Pfarrfesten mit von der Partie. "Wir freuen uns, wenn wir mit anderen zusammenkommen", sagt der Kaplan. Die Ministranten hätten das traditionelle Ortsdenken hinter sich gelassen. Das macht Salzmann Hoffnungen für die Pfarrei neuen Typs, die in einigen Jahren aus den Gemeinden in Hofheim, Kriftel und Eppstein entstehen sollen. "Die Jugendlichen machen die Pfarreiwerdung vor."(clm)