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Ökumenische Wohnhilfe in der Krise

Ökumenische Wohnhilfe in der Krise
Ökumenische Wohnhilfe in der Krise
Mehrgenerationenhaus in Hofheim-Diedenbergen: 2010 wurde der erste Neubau in der Geschichte der ÖWH eingeweiht © Ökumenische Wohnhilfe

Nach 27 Jahren ist die Ökumenische  Wohnhilfe Taunus (ÖWH) in ihrer Existenz gefährdet: Da der Caritasverband Main-Taunus die Kooperation beendet hat und zudem die Zuschüsse der Kommunen und des Main-Taunus-Kreises seit zwanzig Jahren stagnieren, muss ein Rückbau der Vereinstätigkeit eingeleitet werden. Das haben der Vorsitzende der ÖWH, Günter Adam, und der stellvertretende Vorsitzende, Ottmar Vorländer, angekündigt. Zum 1. Januar wird die Beratung und Begleitung der Menschen in Wohnungsnot sowie die Wohnraumakquise insbesondere im kirchlichen Raum eingestellt. Die Mietverhältnisse, bei denen der Verein als Zwischenmieter aufgetreten ist, sollen an die Vermieter zurückgegeben werden.

Wie Adam und Vorländer gegenüber der Presse darstellten, sei die langjährige Zusammenarbeit mit dem Caritasverband Main-Taunus mit dem Wechsel der Geschäftsführung  im Jahr 2017 Schritt für Schritt beendet worden. Das betreffe die Finanzierung, die satzungsgemäß vorgesehene Mitarbeit des Geschäftsführers des Caritasverbandes Main-Taunus und die Kündigung der Büroräume im Sozialbüro. Der Vorstand der Wohnhilfe habe sich infolge dieser Entscheidungen gezwungen gesehen, den langjährigen Geschäftsführer Marcus Krüger sowie die Wohnungsvermittlerin zu kündigen.

Als Grund für die Beendigung der Zusammenarbeit führt der Vorstand des Caritasverbandes Main-Taunus in einer eigenen Erklärung "unterschiedliche Meinungen zu Formen und Möglichkeiten der Kooperation" an. Die Ökumenische Wohnhilfe sei ein "eigenständiger, weltanschaulich unabhängiger Verein" und der unterschiedliche Ansatz in der Begründung des Engagements so groß, "dass die Vereine künftig eigene Wege gehen, um das Thema Wohnungsnot zukunftsfähig aufzustellen und Betroffenen helfen zu können", heißt es vonseiten des Verbandes.

Die ÖWH habe sich in all den Jahren "auf der Basis ihres christlichen Grundverständnisses und den Grundprinzipien professioneller Sozialer Arbeit folgend an die Seite der Menschen in Wohnungsnot gestellt und sich aktiv in die Sozialpolitik eingebracht", betonen demgegenüber Adam und Vorländer. Das bisherige umfassende und integrierte Aufgabenspektrum bleibt aus ihrer Sicht weiterhin eine zentrale sozialpolitische Aufgabe. Die Vereinsarbeit soll nicht komplett beendet, sondern in reduzierter Form weitergeführt werden.

Der gemeinnützige Verein, 1991 entstanden aus einem Zusammenschluss von katholischen und evangelischen Christen aus dem Main-Taunus und Hochtaunus, hat sich seit mehr als 25 Jahren erfolgreich für Menschen in Wohnungsnot engagiert. 651 Wohnungen für 1489 Personen wurden in dieser Zeit vermittelt. Rund 300 dringend Wohnungssuchende wurden jedes Jahr beraten. Das Jahr 2017 war mit 26 vermittelten Wohnungen für 51 Menschen und 456 Beratungen eines der erfolgreichsten der Vereinsgeschichte. Die ÖWH wurde mehrfach für ihr besonderes Engagement ausgezeichnet, unter anderem mit dem hessischen Landesehrenbrief, der Ehrenplakette des Main-Taunus-Kreises und dem Preis der Kurt-Graulich-Stiftung. Anlässlich seiner Weihe hatte Bischof Georg Bätzing die Vereinsarbeit mit der Hälfte der Kollekte an diesem Tag unterstützt.

  • Erklärung des Vorstandes des Caritasverbandes für den Bezirk Main-Taunus

  • Presseerklärung Ökumenische Wohnhilfe im Taunus e.V,